Kaum ein anderes Schiff ist so eng mit der Hanse Sail verbunden wie die ALBERT JOHANNES. Der traditionsreiche Dreimast-Gaffelschoner nimmt in diesem Jahr bereits zum 34. Mal am maritimen Festival teil und ist damit das Schiff mit den meisten Hanse-Sail-Teilnahmen überhaupt. „Darüber habe ich noch nie nachgedacht“, lacht Steffen Schwarze, dem der Gaffelschoner seit dem Jahr 2000 gehört. Für ihn selbst ist es in diesem Jahr also die 27. Saison als Skipper.
Aber er kennt das Schiff, das seit den ersten Jahren auf der Sail dabei ist, schon viel länger – und auch dessen Geschichte. „Es wurde 1928 gebaut – zwar in den Niederlanden, aber für einen deutsche Eigner“, erzählt der 60-Jährige. „Damals hieß es MAGDA und war als Watt- und Sundfahrer in Nord- und Ostsee unterwegs. Es ist für diese flachen Gewässer konstruiert, mit plattem Boden.“ Seitenschwerter hatte es ursprünglich nicht und auch nur zwei Masten. In den 1950er Jahren wurde es um acht Meter verlängert, hatte zu der Zeit aber keine Masten, sondern nur ein klappbares Ladegeschirr – „so konnten sie unter Brücken hindurchfahren, wenn sie zum Beispiel auf der Elbe unterwegs waren“, erklärt Schwarze.
Mehrere Eigner betrieben es bis Anfang der 1970er Jahre als Frachtschiff, auch der Name wechselte. Danach lag es mehrere Jahre auf dem Trockenen. „Wahrscheinlich wäre es verschrottet worden, wenn nicht ein Holländer gekommen wäre, der etwas Gutes darin sah.“ Es bekam in der Folge nicht nur seine beiden Masten zurück, sondern sogar noch einen dritten dazu. Fortan war es als Charterschiff mit Gästen auf dem Wattenmeer und der Ostsee unterwegs. Und seitdem hat es auch seinen heutigen Namen: Albert Johannes war ein Familienmitglied des vorigen Eigners.
Vom Betreuer zum Eigner
Der Schoner ist 46 Meter lang und hat – wie eh und je – auch einen Motor zum Manövrieren. Bis heute fährt es unter niederländischer Flagge, hat aber seinen ständigen Liegepatz in Rostock. Es wird jedes Jahr überprüft und neu zertifiziert. Viele Arbeiten an Bord erledigt Steffen Schwarze selbst. „Ohne handwerkliches Geschick und Verständnis wäre man auf so einem Schiff verloren.“
Schwarze kam direkt an der Ostsee zur Welt und wuchs in Rostock-Evershagen auf. Er lernte Elektromonteur und begann später ein Studium in diesem Fachgebiet. Aber schon bald nach der Wende kamen Schiff und Seefahrt dazu. „Ich war seit der ersten Sail als Schiffsbetreuer dabei und schon bei der zweiten habe ich die ALBERT JOHANNES kennengelernt“, erinnert er sich. Er segelte öfter mit und organisiert seit 1996 als selbständiger Unternehmer Segelreisen. Zur gleichen Zeit entschied sich der damalige Eigner, sein Schiff zu verkaufen – da war Schwarzes Entscheidung schnell gefallen: „Aber es dauerte noch bis 2000 ehe alles geregelt war und ich das Schiff übernehmen konnte.“
Ein persönliches Schiff
Das Segeln hatte Schwarze schon zu DDR-Zeiten gelernt. Aber um den Traditionssegler bewegen zu dürfen, absolvierte er eine Ausbildung in den Niederlanden. Im Wesentlichen kümmert er sich allein um die ALBERT JOHANNES, mit gelegentlicher Unterstützung durch Familie und Freunde. Aber für die Ausfahrten braucht er Personal, mindestens einen Matrosen. Bei Tagesausfahrten, wenn bis zu 65 Gäste an Bord sind, müssen vier zertifizierte Besatzungsmitglieder dabei sein. „Oft sind es Menschen, die eigentlich einen anderen Job haben und sich für so ein Event freinehmen, um in der Crew mitzusegeln.“
Für ihn ist die Hanse Sail eine Möglichkeit, durch die Ausfahrten Geld zu verdienen. „Sonst könnten wir das Schiff nicht erhalten“, sagt er. Auch sonst ist er hauptsächlich auf der Ostsee unterwegs, nimmt an Veranstaltungen zum Beispiel in Hamburg oder Bremerhaven teil. Und er bietet längere Törns an, maximal 26 Gäste finden an Bord eine Koje. Das Schiff ist gut geeignet für Schulklassen, Sportvereine oder Freundesrunden, für zwei, zehn oder vierzehn Tage. „Meist wird etwa ein Jahr im Voraus gebucht.“
Zeichen der Verbundenheit
Unter den 120 Schiffen der Hanse Sail befinden sich sechs, die in diesem Jahr besondere Anerkennung erfahren: Neben der ALBERT JOHANNES sind das LOTH LORIEN, STETTIN, SWAENSBORGH, REGINA MARIS und NOBILE. Diese Schiffe haben in ihren Törn-Archiven über 30 Hanse-Sail-Teilnahmen verzeichnet. „Die Hanse Sail lebt von den Traditionsschiffen. Dass sechs von ihnen bereits mehr als 30 Mal Kurs auf Rostock genommen haben, ist ein außergewöhnliches Zeichen der Verbundenheit und des gegenseitigen Vertrauens. Dafür möchten wir unseren Kapitänen und Crews von Herzen danken“, sagt die Leiterin des Hanse-Sail-Büros, Bettina Fust.
Die 35. Hanse Sail findet von 6. bis 9. August 2026 in Rostock statt. Sie wollen bei der Hanse Sail mitsegeln? Das gesamte Programm mit allen Teilnehmerschiffen der Hanse Sail finden Sie auf unserer Seite. Dort können auch die Törns gebucht werden. Das Hanse Sail Büro ist darüber hinaus telefonisch (0381 38129 74 / -75) erreichbar oder bietet vor Ort Beratungsgespräche (Warnowufer 65).