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8.-11. August 2019

Deutsche Traditionsschiffe in schwerer See

„Die geplante neue Sicherheitsverordnung hebelt die deutsche Traditionsschifffahrt aus“ ist in einer Pressemitteilung der Gemeinsamen Kommission für historische Wasserfahrzeuge (GSHW), dem Deutschen Dachverband für Traditionsschiffe in Fahrt, vom 9. September zu lesen.

Hintergrund: Das Bundesministerium hat einen neuen Entwurf für die Sicherheitsrichtlinie auf Traditionsschiffen vorgelegt, die noch dieses Jahr in Kraft treten soll. Darin enthalten sind Forderungen über den Bau und Betrieb von Traditionsschiffen, die nicht, oder wenn überhaupt, nur mit erheblichem Aufwand umgesetzt werden können. Unter den neuen Anforderungen des Verkehrsministeriums werden viele alte Segel-, Dampf- und Motorschiffe nicht mehr fahren können, schätzt die GSHW ein.

Dazu Holger Bellgardt, Leiter des Büro Hanse Sail und Vorstandsmitglied der European Maritime Heritage (EMH): „Die neue Sicherheitsverordnung stellt die ehrenamtlich tätigen Betreiber der Schiffe offensichtlich vor schwere oder unlösbare Aufgaben und behindert deren Engagement für den Erhalt der teils als maritimes Kulturgut einzustufenden Fahrzeuge. Dabei müsste es eigentlich darum gehen, Fördermechanismen zu entwickeln, um den Bau und Betrieb der Schiffe zu gewährleisten. Durch die neue Sicherheitsverordnung werden auch maritime Veranstaltungen wie die Hanse Sail Rostock gefährdet.“

Nachfolgend wird die Pressemitteilung der GSHW wiedergegeben:

PRESSEMITTEILUNG
9. September 2016

Geplante neue Sicherheitsverordnung hebelt deutsche Traditionsschifffahrt aus

Viele alte Segel-, Dampf- und Motorschiffe werden unter den neuen Anforderungen des Verkehrsministeriums nicht mehr fahren können.

Müssen die „Vorschriften über Bau und Ausrüstung von Traditionsschiffen“ so umgesetzt werden, wie der Entwurf des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) es jetzt fordert, wird die Flotte der mehr als einhundert alten Schiffe bald von unseren Küsten verschwinden.

Die bisherige Sicherheitsrichtlinie berücksichtigte den Sonderstatus der zum großen Teil über einhundert Jahre alten Fahrzeuge. Jetzt sollen weite Teile der Vorschriften an die Berufsschifffahrt angeglichen werden. Sie bestimmen nicht nur, wie die historischen Segel-, Dampf- und Motorschiffe gebaut und ausgerüstet sein müssen, sondern auch, dass die ehrenamtlichen Besatzungen Qualifikationen ähnlich wie Berufsseeleute besitzen müssen.

Für die privaten Eigner und Betreibervereine ist die Verordnung aufgrund der traditionellen Bauweise ihrer Schiffe nicht umzusetzen. Auch der geforderte zeitliche und finanzielle Mehraufwand für Aus- und Fortbildungen in ihrer Freizeit ist nicht machbar. Das gilt ebenso für die Sail-Training-Schiffe in den als gemeinnützig anerkannten Vereinen.

Die Zukunft der Traditionsschiffe unter deutscher Flagge ist gefährdet und schon bald wäre das maritime Kulturerbe um einen gesellschaftlich relevanten Faktor ärmer. Für unsere Häfen sind die Traditionsschiffe zudem touristisch und wirtschaftlich von Bedeutung. Die Zahl der teilnehmenden Schiffe an großen Hafenfesten (z.B. Hamburger Hafengeburtstag, Kieler Woche, Hanse Sail Rostock, Sail Bremerhaven) würde drastisch sinken.

Die Gemeinsame Kommission für historische Wasserfahrzeuge (GSHW) als Interessenverband der Traditionsschiffe erarbeitet zurzeit eine ausführliche Stellungnahme, in der sie die geforderten Sicherheitsvorschriften bewertet und gleichwertige Lösungsvorschläge aufzeigt. Die Frist zur Stellungnahme gegenüber dem BMVI endet am 5. Oktober.

Weitere Informationen
Gemeinsame Kommission für Historische Wasserfahrzeuge
www.gshw.de

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