Von Chancen und Herausforderungen in der Traditionsschifffahrt

Die 111 Traditionsschiffe sind die Stars der Rostocker Hanse Sail. Mehrere hunderttausend Menschen werden in den kommenden Tagen in Rostock erwartet und die über 10 000 Plätze für die Ausfahrten sind so gut wie ausgebucht. „Das zeigt, dass die Faszination für das traditionelle Segeln ungebrochen ist“, sagt die kommissarische Hanse Sail Chefin Bettina Fust. Aber: Die Vereine, die die Schiffe betreiben, stehen vor zahlreichen Herausforderungen. Im Rahmen eines Empfangs auf der Brigg „Roald Amundsen“ am Hanse-Sail-Freitag wurden diese diskutiert.

 

Wie so viele Branchen, hat auch die Traditionsschifffahrt im Zuge der Corona-Krise gelitten. So gab es für die Schiffe nur wenige Möglichkeiten, sich einem breiten Publikum zu präsentieren. „Dadurch fehlen den Vereinen wichtige Einnahmen“, sagt Ulrich Komorowski, einer der Kapitäne der Roald Amundsen, im Rahmen des Presseempfangs. Starre Strukturen und Vorschriften würden zusätzlich dafür sorgen, dass ein Großteil der Schiffe in Zukunft nicht mehr auf den Meeren zu sehen sein werde.

Ehrenamt und Berufsschifffahrt

Die Vereinsarbeit habe sich eben grundlegend geändert, sagt Nikolaus Kern, Vorsitzender des Vereins German Sail training Union. „Durch die 2018 erlassene Schiffsicherheitsverordnung werden für die Vereine ähnliche Bauvorschriften und Besatzungsanforderungen gelten  wie in der Berufsschifffahrt.“ Die Arbeit im Ehrenamt werde dadurch massiv erschwert. Ab März 2023 endet eine bereits von der Regierung gestattete Übergangsfrist zur Umsetzung der Verordnung. Dann werde es Ernst.

Jan-Matthias Westermann, Vorsitzender des Deutschen Dachverbands für Traditionsschiffe (GSHW), betrachtet die aktuelle Entwicklung, gerade vor dem Hintergrund der vergangenen zwei Jahre, mit Sorge: „Es ist nicht lange her, da gab es noch über hundert Traditionsschiffe in Deutschland. Heute sind nur noch 85 übrig“, sagt Westermann. 

Eine neue Art der Förderung?

Will man die Schiffsicherheitsverordnung umsetzen, brauche es nicht nur eine erneute Fristverlängerung, sondern auch eine Ausdehnung der geltenden Förderrichtlinie. Durch jene konnten Vereine etwa für Reparaturen der  Schiffe aus einem Topf mit rund 20 Millionen Euro unterstützt werden. 

Dies reiche jedoch nicht. „Viele Schiffe benötigen eine Grundinstandsetzung. Daher brauchen wir eine neue Art der Förderung.“ Dies könne etwa eine Stiftung sein, die mit Bundes-, Landes- und Privatmitteln den Erhalt der Traditionsschiffe sichert. „Wir müssen etwas tun. Denn wenn die Schiffe erstmal verloren sind, werden wir sie nie wieder kriegen“, sagt Westermann. 

Ehrenamt auf Traditionsschiffen? Nichts für die Jugend!

Ein Thema, das viele Vereine beschäftigt, ist die Rekrutierung neuer Crewmitglieder. Die aktuelle Verordnung erschwere die Teilhabe. Denn die erforderlichen Qualifizierungslehrgänge sind teuer und zeitintensiv. „Junge Menschen können ein solches Ehrenamt unter diesen Bedingungen gar nicht in ihren Alltag unterbringen“, sagt Nikolaus Kern.

Dabei werde auf vielen Schiffen hervorragende Jugendarbeit geleistet, auch auf der Roald Amundsen. Doch hier ist nicht nur die Jugend, sondern auch das Geschlecht ein Thema. „Aktuell ist der Anteil von Frauen unter den Crewmitgliedern gering. Wir wollen, dass die Hälfte der Mitglieder bis 2025 aus Frauen besteht“, sagt Ulrich Komorowski. Gelingen soll dies etwa durch speziell zugeschnittene Törn-Angebote. 

Hanse Sail als Plattform für Begegnungen

„Es ist inspirierend zu erfahren, mit welchen Ideen viele Vereine ihre Schiffe für die Zukunft fit machen“, sagt Bettina Fust. Die Hanse Sail kann dabei eine wichtige Rolle spielen. Denn: „Wir bieten eine Plattform, auf der Politik, Ehrenamt und Wirtschaft sich begegnen, wo sie in den Dialog treten und gemeinsam Lösungen für die Herausforderungen der aktuellen Zeit finden können.“
 

10. - 13. August 2023

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