„veter i volny“ | Über Völkerverständigung auf der Hanse Sail

Ihre erste Fahrt unter Segeln machte die Roald Amundsen im August 1993 unter dem Kommando von Immo von Schnurbein, dem ehemaligen Kapitän der Gorch Fock. Und dieser war begeistert: „Sehr schnell lernte ich die guten Manövriereigenschaften und das hervorragende Segelverhalten der Brigg schätzen“, lauteten seine Worte. Heute – fast 30 Jahre später – hat das Schiff eine ganz besondere Mission auf der Ostsee.

Das Projekt „veter i volny (russisch für Wind und Welle) – Jugendaustausch zur See“ bietet jungen Menschen aus Russland und Deutschland im Alter zwischen 16 und 26 Jahren einen besonderen Raum für Teamwork und Verständigung auf dem Segelschulschiff. „Das ist unser Beitrag, Vorurteile abzubauen und den Dialog und den Kontakt zwischen der Jugend beider Länder zu fördern“, sagt Kristina Sonnenberg, Koordinatorin des deutsch-russischen Jugendaustausches.

Ehemalige Teilnehmer zu Besuch auf der 31. Hanse Sail

Die 29-Jährige war selbst einst Teilnehmerin, begleitete die erste Ausfahrt 2016 – eine Erfahrung, die die junge Frau auf keinen Fall missen möchte. „Für mich war das ein ganz besonderes Erlebnis. Ich habe nicht nur viel über mich selbst gelernt, sondern auch noch tolle Freundschaften knüpfen können. Die meisten bestehen noch immer. Das bereichert das Leben enorm“, betont sie.

Das bestätigt auch Angelina Pavlova. Zwei Mal ist die mittlerweile 27-jährige Russin auf der Roald Amundsen mitgefahren. „Das war eine unglaublich schöne Zeit. Sie fehlt mir sehr“, verrät sie. Ihre Sehnsucht sei in den vergangenen Monaten so groß gewesen, dass sie es sich nicht nehmen lassen wollte, Kurs auf Rostock zu nehmen, wo die Brigg anlässlich der Hanse Sail angelegt hat. Dafür ist sie extra aus Sankt Petersburg angereist. „Es fühlt sich so gut an, wieder hier zu sein. Am liebsten würde ich direkt wieder mitsegeln.“

Spannende Herausforderungen mit „Ernstcharakter“

Bei den einzelnen Törns meistert die Crew spannende Herausforderungen mit „Ernstcharakter“. In bilateralen Kleingruppen trägt jeder einzelne Teilnehmende Verantwortung für sich, die Gruppe und das Schiff. Das Sailtraining auf der „Roald Amundsen“ steht in der Tradition der Förderung der Seemannschaft und Völkerverständigung. 

Die Crew-Mitglieder erweitern ihre sozialen, emotionalen wie praktischen Kompetenzen und treten in einen Wertediskurs. Sie erleben Selbstwirksamkeit, persönliche, soziale und strukturelle Grenzen. „Unser Schiff ist Symbol für das Arbeiten an einer gemeinsam zu gestaltenden, friedlichen Zukunft.“

Herausfordernde Zeiten für das deutsch-russische Projekt

Aus aktuellem Anlass musste das Projekt zwar vorrübergehend pausiert werden, weitere Ausfahrten seien dennoch geplant. Ende August will die Besatzung zusammen mit jungen Menschen mit und ohne Fluchterfahrung unter dem Titel „Friendship for peace“ wieder in See stechen. „Wir freuen uns schon alle sehr darauf“, meint Sonnenberg.