Sunsetfeeling auf der Ostsee – Ein Törn mit der Hanne Marie

Auf der Hanse Sail stehen die Schiffe im Mittelpunkt. Über 100 sind es in diesem Jahr. Viele von ihnen bieten Ausfahrten an. Doch wie ist es eigentlich auf einem Schiff mitzufahren? Ich habe es ausprobiert.

Der Wettergott meint es gut mit uns: Die Sonne taucht das Hafenbecken in goldenes Licht, als die Hanne Marie mit ihren Gästen an Bord den Liegeplatz am alten Holzkran im Rostocker Stadthafen verlässt und langsam Kurs auf Warnemünde nimmt.  
Nach einer kurzen Einweisung durch Skipper Friedrich und der Bootsleute Martin, Lorenz und Matthias setzen wir die Segel und fahren, noch mit Motorunterstützung, langsam die Warnow hinunter. Die ist um diese Zeit deutlich befahrener als sonst; neben uns schippern noch viele andere alte Schiffe mit ihren Gästen in die Abendausfahrt.  
Es ist beeindruckend zu sehen, wieviel traditionelle Seefahrt hier gleichzeitig versammelt ist, allen voran die niederländischen Schiffe. Trotzdem gilt es stets einen wachen Blick um die Geschehnisse rund um uns zu haben, besonders wenn uns große Fähren überholen oder entgegenkommen.

Fahren für den Schiffsunterhalt
Die Hanse Sail sei da eine „besondere Situation“, sagt Friedrich. Generell ist die Sail für ihn eine schöne Veranstaltung: „Es gibt viel zu sehen, auch für unsere Gäste. Sie haben die Gelegenheit viele Schiffe kennenzulernen.“ Auch auf persönlicher Ebene ist die Sail für ihn besonders, weil er und seine Crew dort andere Schiffe mit ihren Besatzungen treffen können: „Man sieht sich, man kennt sich. Es ist ein großes Wiedersehen“, freut er sich. Doch das ist nicht der einzige Grund warum sie sich entschlossen hätten an der Sail teilzunehmen. Neben der Möglichkeit „endlich wieder zu segeln“ sei es „kein Geheimnis, dass das Schiff Geld braucht.“ Es müsse eigentlich jedes Jahr auf der Werft überholt werden, Planken gewechselt und neu gestrichen, ein normales Prozedere für Holzschiffe. Da sei die Hanse Sail mit ihren Ausfahrten eine gute Möglichkeit der Finanzierung: „Jeder Gast hilft mit, das Schiff zu erhalten.“ Das gelingt auch dank vieler helfender Hände. Hinter dem 1919 gebauten Haikutter steht der Verein Hanne Marie Segeln. Knapp zwanzig Meter ist die „Hanne“ lang, „eine schöne Größe, gut für aktives Segeln“, findet Bootsmann Martin.

Unter Segeln in den Sonnenuntergang
Aktives Segeln steht auch an diesem Abend auf dem Programm. Als der Motor ausgeht und Ruhe einkehrt, werden die restlichen Segel gesetzt. Wir geraten dabei ganz schön ins Schwitzen, jeder wird eingebunden. Eine Art der Seemannschaft, die Friedrich ganz besonders schätzt, auch über einen längeren Zeitraum. „Ich mag das unterwegs sein“, sagt er, „die Mehrtagesfahrten mit Gästen, die traditionelle Seemannschaft erleben wollen. Hier ist jeder Teil der Crew.“  Mittlerweile haben wir die Molenköpfe in Warnemünde passiert und segeln auf die Ostsee hinaus. Dort steigt die ohnehin schon gute Stimmung noch als uns passend zu diesem ohnehin schon besonderen Erlebnis auch noch ein wunderschöner Sonnenuntergang geboten wird. Wir sind uns an Bord einig, dass es Momente wie dieser sind, die das Segeln so einmalig machen. Umso stärker ist der Kontrast zu dem Traditionssegler, der nicht weit von uns entfernt ist und von dem laute Discomusik herüberschallt.

Für uns an diesem Abend definitiv das falsche Programm. Wir hängen noch eine Weile unseren Gedanken nach oder unterhalten uns, ehe das Kommando zur Wende erfolgt. Jetzt heißt es die Segel auf die andere Seite bringen, damit der Wind uns wieder sicher nach Hause zurückbringt. Das geschieht, wie alles an diesem Abend, sehr ruhig und mit klaren und freundlichen Anweisungen. Als wir einlaufend die Molenköpfe passieren, bin ich, obwohl ich über Erfahrung mit Schiffen verfüge, froh nicht selbst in der Verantwortung zu stehen, das Schiff zu fahren. Die Sicht ist in der Dunkelheit sehr eingeschränkt, die Fahrwassertonnen zwar beleuchtet, aber schwer voneinander zu unterscheiden. Wir fahren wieder mit Unterstützung des Motors die Warnow hinauf und Friedrich hat immer einen Blick auf der Seekarte, um Martin, der am Ruder steht, die Position der Fahrwassertonnen mitzuteilen, die nicht beleuchtet sind. Als die letzte Tonne passiert ist und wir wieder fest im Hafen liegen, bin ich froh mitgefahren zu sein.

 

Stefan Katzenbach