Mit der „Scharfe Venke“ und der „Wilden Meta“ auf der 29. Hanse Sail

Man muss neben den großen Böllern der Havelberger Schützengilde 1849 e.V. oder des Schützenvereins Seelow 1990 e.V. gestanden haben, um die Winzigkeit der „Scharfen Venke“ und der „Wilden Meta“ von der Schützengesellschaft 1452 zu Rostock e.V. schätzen zu können.

Gerdfried Pommeranz in herzlicher Zuneigung zu seiner „Wilden Meta“ verbunden. Foto: Wolfgang Dalk

Diese Kanönchen sind mit ihren 30-mm-Geschossen die kleinsten  Böller-Exemplare unter der Obhut von Gerdfried Pommeranz. Der  80-Jährige kam über die GST (Gesellschaft für Sport und Technik – DDR) zum Schießsport und später zum Böllern mit größeren und kleineren Kanonen. 17 Jahre war der gebürtige Rostocker 1. Ältermann, also Vorsitzender, seiner Schützengesellschaft. „Wir freuen uns, dass wir zu unserem 20. Kanonier- und Böllertreffen wieder viele Freunde in Rostock begrüßen können. Ob aus dem nahe gelegenen Wismar der Schützenverein Hanse e.V. 1990 kommt oder der etwas ferner gelegene SV Hörsingen 1990 aus Sachsen-Anhalt – da festigen sich langjährige Bekanntschaften wie die mit den Havelbergern, den Kyritzern, den Schützen aus Matzlow-Garwitz oder der gastgebenden Concordia aus Rostock.“

Summa summarum sind es 18 Gastgeschütze und drei der Schützengesellschaft Concordia e.V., angeführt von ihrem 1. Ältesten Ron Westenberger und dem rührigen Stückmeister Manfred König, die pünktlich um 10 Uhr die ersten Salven vom Gehlsdorfer Ufer auf die Warnow schießen. Zum 11. Mal dabei ist der Schützenverein Seelow 1990 e.V. Uwe Bonack und Dieter Maibaum, beide Gründungsmitglied, und Uwe langjähriger Vorstandsvorsitzender, führen eine sehr unternehmungslustige Truppe. „Ja, wir zählen nicht nur bei der Hanse Sail zu den Stammgästen, das gilt auch für das traditionelle Böllertreffen anlässlich der Völkerschlacht zu Leipzig. Aber wir waren schon in Polen, Belgien, Dänemark und natürlich landesweit bei allen prominenten Treffen unterwegs“.

Ein Wunder, dass man sich in diesem agilen Verein mit besonderen Ideen um Verstärkung und Verjüngung bemüht. „Wir haben einen großen Schießstand und auf den laden wir Schülerinnen und Schüler der Brecht-Schule zum Sportschießen ein“, sagt Uwe, „und führen sie langsam an unseren Sport heran. Die Kooperation mit der Schule zahlt sich aus. wir hatten jüngst sechs Neuzugänge zu verzeichnen.“

Diesen Gedanken nimmt Manfred Skibbe vom SV Hörsingen gern auf. „Wir sind 36 Mitglieder stark und haben natürlich unsere Probleme bei der Nachwuchswerbung. Da sind solche ständigen festen Verbindungen zu Schulen eine gute Anregung“, meint der Chef an der Schützenlafette „Baby“. Die Lafette hat er nach einem Jahrhunderte alten Original ausgerichtet und im Eigenbau Holz gedreht. Ein 50-mm-Prachtstück! Damit wird auch in Hörsingen das Motto der Rostocker Schützengesellschaft 1452 gelebt: „Altes erhalten – Neues erleben!“ Womit wir wieder bei den Rostocker wären und bei ihren Vorderladern. Gerdfried Pommeranz erwähnt bei seinem Hohelied auf die eigenen Vorderlader, dass sie als schwedische Originalstücke nicht nur den 30-jährigen Krieg erlebt haben, sondern auch vor ein paar Jahren bei einem fidelen Wettkampf in Schweden eingesetzt worden sind. Dort haben sie große Begeisterung ausgelöst, was auch bei den Gästen des 20. Kanonier und Böllertreffens zur 29. Hanse Sail der Fall ist.

Wolfgang Dalk