Hanse Sail 2022: So hat der Franzose Francois Petit das Fest erlebt

Francois Petit ist 67 Jahre alt und gelernter Deutschlehrer. In Besançon, nahe dem Elsass, hat er bis zuletzt in einem Gymnasium unterrichtet und sich stets für die deutsch-französische Verständigung eingesetzt. Seiner Leidenschaft für Fotografie und Schiffe geht der Rentner seit 14 Jahren bei den Besuchen auf der Hanse Sail nach. Wie er das Fest erlebt hat und warum ihm dabei gerade Reinhard Mey durch den Kopf geschwirrt ist, berichtet er selbst:

(c) Francois Petit
(c) Francois Petit

Nach all den Absagen von großen Festen in Frankreich, Deutschland, ja in der ganzen Welt, nach all dem Frust, der sich in den zwei letzten Jahren angesammelt hat, fand sie 2022 endlich wieder statt: die Hanse Sail. Und was war das für eine Hanse Sail? Keine Mini-Variante wie im vorigen Jahr. Nein, eine echte Hanse Sail!

War sie gelungen? Oh Ja, sie war es zweifellos! Zugestanden, es fehlten einige wertvolle Schiffe – unter anderem von diesem Land, das uns so viele Sorgen bereitet. Auch einige Zuschauer suchten vermutlich noch nach der ein oder anderen alten Gewohnheit. War es deswegen nicht so schön? Nein, keineswegs! Mehr als sonst winkten die Leute von den Schiffen, mehr als sonst waren die Leute auf den Straßen freundlicher und sogar der Himmel schien sich an diesem Spektakel sehr zu erfreuen.

Man manövrierte, zog an den Seilen und setzte die Segel: Ich war auf der Kieler Hansekogge unterwegs und die Befehle des Kapitäns wurden von der Crew in Windeseile umgesetzt. Er war zwei Wochen zuvor noch in unserer Bretagne unterwegs und hatte es auch dort sehr genossen. Recht so! Recht so!
Ein neuer Wind wehte über das Land. Ein Hauch von Frieden, in dem die Leute von allen Ländern sich austauschen konnten. Deutsche mit Franzosen, Holländer mit Finnen, Russen mit Ukrainern. Man konnte den Willen spüren, sich nach vorne und aufeinander zu zu Bewegen. Jedes kleinste Schiff hisste alles an Segeln, was es zur Verfügung hatte. Es schien fast so, als ob jeder Mann den Stoff seiner Hosentaschen nach außen gezogen hätte, um damit noch ein bisschen mehr Wind einzufangen! Recht so! recht so!

Die Bemühungen und der Schweiß sollten sich lohnen: Vor unseren Augen zeichneten die mit Wind gefüllten weißen Segel über dem blauen Meer ein traumhaftes Bild auf den Ostsee-Horizont. Auch der Kapitän rief: „Recht so! Recht so!“

Unser lieber Reinhard Mey, der sogleich in Frankreich wie in Deutschland geliebt und geehrt wird, und mir hoffentlich nicht böse ist, wenn ich ihn hier zitiere, hatte in seinem Lied „Mauern der Zeit“ geschrieben, dass er das Wort Hoffnung auf die Mauern seiner Zeit sprüht. Im Bezug auf die Hanse Sail könnte man dies leicht umdichten. „Und in der Dunkelheit sprühe ich das Wort Hoffnung auf die Segel unserer Zeit.“ Danke Hanse Sail 2022.