Der Klabautermann: Er kommt mit seinen Gaben

Er ist von allen seemännischen Spukgestalten die bekannteste – seine grünen Zähne und ein Holzhammer zeichnen ihn aus. „Ich schütze Schiff, Besatzung und Ladung vor Gefahren und Schaden“, verkündet er.

Den Menschen zeigt er sich eigentlich nur alle paar Jahrhunderte. Normalerweise bekommt ihn höchstens der Kapitän hin und wieder zu Gesicht. „Wenn er ein würdiger Vertreter seiner Zukunft ist und die Regeln und Gesetze der See einhält, geselle ich mich gerne zu Mahlzeiten mit in seine Kabine“, so der Klabautermann.

Zur 30. Ausgabe der Hanse Sail aber macht er eine Ausnahme und zeigt sich auch den Besuchern des Traditionsseglertreffens in seiner vollen Pracht. Mit gut gefüllten Kisten läuft er von Schiff zu Schiff und versorgt die Mannschaften mit herrlichen Gaben. Schmackhafte Leckereien, spritzige Getränke und ein farbenfrohes Buch über die Großveranstaltung selbst überreicht er den Seeleuten, die ihn mit freundlich mit einem alten Gruß empfangen: „Es ist schön, dich zu sehen – ich freue mich, dich wiederzusehen.“

Der komische Kauz gilt als guter Geist, der die Seeleute durch ein Klopfen am Schiffsrumpf auf kleine Reparaturen aufmerksam macht. Ebenso rumort er in den Räumen, wenn die Ladung schlecht verstaut ist. Sein Ziel ist es, vor der nächsten Reise eines jeden Schiffes auf die möglichen Gefahren hinzuweisen, ehe es überhaupt erst zu einem schweren Unglück kommen kann.

In alten Sagen und Erzählungen war er aber auch das Orakel für Katastrophen, heißt es. Wurde er beim Verlassen eines Schiffes gesichtet, bedeutete dies oftmals nichts Gutes für die Crew. In Zeiten modernster Technik und elektronischer Navigation brauchen die Seeleute sich davor aber nicht mehr zu fürchten. Dank der zuverlässigen Geräte an Bord hat der Klabautermann den Mythos, einen Schiffsuntergang vorherzusagen, verloren. Er ist und bleibt somit ein guter Freund – der Schutzpatron der Schiffe.

 

 

Susanne Gidzinski