Die Hanse Sail und ihre Frauen – ist wie ein altes Segelschiff und ihre Galionsfiguren.

 

Das traditionelle Segelschiff trägt als Gallionsfigur eine schöne und majestätische Frau am Bug. Auf vielen Schiffen wurde die Figur gleichzeitig zum Trimmen genutzt und im Aberglauben der Seeleute soll die Figur außerdem den Kurs des Schiffes beobachtet und es vor Unglück bewahrt haben.

Ohne sie würde etwas fehlen, das Schiff unvollständig sein. Und genauso verhält es sich mit den vielen weiblichen „Aufbauhelfer-innen“, ohne die das Schiff Hanse Sail nicht sicher zum Schwimmen gekommen wäre. Welch ein Gleichnis!

Nehmen wir doch einfach ein Beispiel aus den Anfangsjahren, als die Hanse Sail laufen, respektive schwimmen lernte und eine Vielzahl von maritimen Aktivitäten ausprobierte, wenn erfolgreich, weitergeführt, oder wenn nicht, beendet wurden.

Da kommen mir gleich 4 Damen in den Sinn, die in der ersten Hälfte der 90er Jahre ganz unterschiedliche Aufgaben zu erfüllen hatten und im Haus des jetzigen Hanse Sail Vereins Schreibtische und die ersten Computer ihres Lebens ihr Eigen nannten.

Siggi Geißler war die Sekretärin des Hanse Sail Chefs Roland Methling. Mit fester Hand führte sie Regie im Hause, unterstützte, schlichtete, beruhigte. Da war dann noch Elfy Zentsch, die kreative und „verrückte Nudel“, die es verstand, die Künstler um den Finger zu wickeln, und die den Grundstein legte für langjährige kulturelle Partnerschaften. Und sie war oftmals auch Glücksfee bei vielen Heiratsanträgen auf den Bühnen.

Ines Ruth, ihres Zeichens hervorragend in buchhalterischen Dingen und im Organisieren von Sponsorenmitteln und Anke Dartsch, in den Anfangsjahren betraut mit der Planung des Marktes bei der Sail und der Bewirtschaftung der Schwimmstege im Stadthafen, saßen in einem kleinen Büro und erfuhren oftmals gemeinsam Freude aber auch gemeinsames „Leid“. Und das kam so:

Hanse Sail heißt, und das gilt auch bis heute, sich primär um Schiffe zu „kümmern“. Also „kümmerten“ wir uns, Ines und Anke, um die, die zu Beginn des Herbstes ihren Liegeplatz im Stadthafen an den Schwimmstegen hatten und die den Winter über an Land unter der Kranbrücke ihren Winterliegeplatz bekamen. Wir bestellten einen Kran, der die Yachten an Land und auf die Trailer hievte. Doch damit konnte die Winterruhe noch nicht beginnen. Die Unterböden waren so mit Muscheln bewachsen, dass kein Anstrich mehr zu sehen war. Hier hieß es jetzt „kümmern“ – Böden von Bewuchs befreien. Bekanntlich beginnt diese Maßnahme gleich, nachdem das Schiff auf dem Trailer liegt. Wir begannen aber erst nach 3 Tagen. Welch eine Fehlplanung! Die Bewuchsschicht war abgetrocknet und hart wie Zement. Doch wir waren ja verpflichtet, uns zu „kümmern“. Also trabten Ines und Anke, in Ostfriesennerze gehüllt und mit Gummistiefeln und Hochdruckreinigern bewaffnet, zu den Yachten. Es war stürmisch und kalt und vor allem furchtbar nass und wir quälten uns über Tage, die Boote zu reinigen. Aber wir standen unsere „Frau“, während unsere männlichen Kollegen im Trockenen saßen und uns ab und zu einmal ein heißes Getränk brachten. Ob wir diese Aktion ohne Erkältung überstanden haben, weiß ich nicht mehr zu sagen, ich würde mich wundern, wenn nicht …. Das war Mitte der neunziger Jahre.

Nach 12 Jahren Hanse Sail Abstinenz beschloss Anke, dass nun damit Schluss sein müsste und stieg 2008 als Assistentin des aktuellen Leiters, Holger Bellgardt, wieder in den Org’stab ein. Ein vertrautes Gesicht begrüßte sie. Elfy hatte die ganze Zeit über die Kultur am Laufen gehalten und ist aktuell die „dienstälteste“ Kollegin, die ohne Unterbrechung bei der Organisation aller Sails mitgewirkt hat, Ines war in die Geschäftsstelle der Tourismuszentrale gewechselt und war ihren Zahlen treu geblieben und Siggi fand eine neue Aufgabe bei der Stadtverwaltung. Der Hanse Sail Verein, seine Mitarbeiter und Ehrenamtler hatten und haben jetzt allein ihr Domizil im keinen gelben Haus an der L22 und wer zum Hanse Sail Büro möchte, der besucht uns im Hafenhaus.

von Anke Dartsch