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8.-11. August 2019

Stadthafen und Hanse Sail – zwei ungleiche Unvollendete

Wann ist etwas unvollendet? Immer dann, wenn eine Diskrepanz zwischen dem Plan und dem nicht fertigen Ergebnis besteht.

Blick über den Rostocker Stadthafen während der Hanse Sail. Foto: Hanse Sail/Lutz Zimmermann

Die berühmteste Unvollendete ist wohl die gleichnamige Sinfonie von Franz Schubert aus dem Jahre 1822. Aber auch der Hauptstadtflughafen hat das Zeug, als Unvollendeter in die Geschichte einzugehen.

Am 7. April 1997, also vor 20 Jahren, habe ich als Stellvertreter des damaligen Leiters des Hanse Sail-Büros, Roland Methling, begonnen. Mein erstes Resümé nach der 7. Hanse Sail im August lautete: „Was für eine fantastische Veranstaltung in einem unvollendeten Rahmen!“

Das „Hauptquartier“ sowohl des Sail-Büros als auch des Hanse Sail Vereins war vor 20 Jahren das so genannte „Gelbe Haus“. An den Beratungen im flachen Beratungsraum nahmen mitunter 30 Leute statt und stritten heiß. Zum Beispiel über die Einrichtung eines Rundfunksenders mit dem Namen „Hanse Sail“ oder um ein neues Gebäude. Ein Jahr später zog das Büro in das Gebäude vom „Theater im Stadthafen“. Der Verein sitzt immer noch im „Gelben Haus“ und auch die Pfützen auf dem großen Parkplatz davor sind noch so tief wie im April 1997. Auch der Zustand der großen Garagen an der Haupteinfahrt zum Hafengelände lässt sich nur mühsam durch Großplakate kaschieren.

Seit 1997 ist natürlich einiges im Stadthafen passiert, aber diejenigen, die die alten Häfen in Bremerhaven, Rotterdam, London oder Waren an der Müritz kennen, kommen in Rostock zu dem Schluss: „Ganz schön hier. Aber unvollendet …“

Irgendwann habe ich aufgehört zu zählen, der wievielte geplante Versuch es ist, den Stadthafen umzugestalten. Umso wichtiger scheinen Initiativen zu sein, die etwas konkret unternehmen, um die maritimen Zeugen an der Warnow zu erhalten und sie touristisch zu repräsentieren. Wie z.B. die vom „Maritimen Rat“, der dabei ist, eine „Maritime Meile“ zu gestalten. Ein letzter Versuch, um den Zustand des ewig Unvollendeten abzuwenden?

Auch die Hanse Sail selbst ist unvollendet, aber in einem anderen Sinne. Ich habe noch erlebt, wie der erste und langjährige Redakteur des „Hanse Sail Magazins“, Peter Rath, handschriftlich eingereichte Manuskripte abschrieb und für die Druckerei vorbereitete.

Es ist logisch, dass solch eine Veranstaltung wie die Hanse Sail unvollendet bleiben muss, weil z.B. die raschen kommunikativen und medialen Veränderungen ebenso konkret umgesetzt werden müssen wie moderne Formen der Werbung, des Marketings oder des Vertriebs. Der Satz aus alten Zeiten „Das haben wir schon immer so …!“ ist unvollendet und braucht hier allerdings auch keine Vollendung.

Klaus-Dieter Block

MITSEGELN
während der Hanse Sail 2015

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