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9.-12. August 2018

Goldener maritimer Herbst mit schwarzen Wolken: Der Himmel über der deutschen Traditionsschifffahrt ist geteilt

„Die Traditionsschifffahrt lebt!“ Das ist die erfreuliche Nachricht vor dem Hintergrund von einem Dutzend Neubauten von Windjammern. Nun lässt sich im Herbst 2017 eine zusätzliche positive Bilanz aufmachen, die mehr als ein Nachschlag ist.

Die „Gorch Fock“ wird 2018 60 Jahre und segelt nach der Rekonstruktion weiter. Foto: Klaus-Dieter Block

Diese Nachrichten tangieren natürlich unmittelbar die Hanse Sail Rostock: Ihr Gegenstand, ihre Attraktion ist die „Welt der Traditionssegler“. Und selbst Schiffe, die nicht mehr segeln werden, wie die „Peking“ in Hamburg oder die „Gorch Fock I“ in Stralsund, steigern das Interesse an dieser faszinierenden maritimen Erlebniswelt. In den Logbüchern der beiden Windjammer kommt jeweils ein neues Kapitel hinzu. Hier wird nicht nur beschrieben, wie beiden Schiffen das Leben gerettet wird, sondern auch, wie sich eine lange Perspektive für die Publikumsmagneten eröffnet.

Der P-Liner „Peking“, Baujahr 1911, lag lange in New York, war eigentlich schon fast tot, als plötzlich und unerwartet der Bund 26 Millionen Euro für die Rückführung nach Hamburg und für den Wiederaufbau zur Verfügung stellte. Als späteres Glanzstück des „Deutschen Hafenmuseums.“ Die Rückkehr des Schiffes im Spätsommer 2017 war tatsächlich eine Sternstunde für den Verein „Freunde der Viermastbark ‚Peking‘ e.V.“ und vor allem auch für ihren Vorsitzenden Mathias Kahl: Sein Vater hatte 1928 mit 15 Jahren auf dem Schiff angeheuert.

Ähnliche Gefühle gab es in der Hansestadt Stralsund bei den Akteuren um Wulf Marquard, als bekannt wurde, dass „ihr“ Schiff vom Land Mecklenburg-Vorpommern 3,6 Millionen Euro bekommt, um es zu restaurieren. Das Glück wurde mit der Nachricht vollkommen, dass die jüngere Schwester der Bark, die bald 60-jährige „Gorch Fock II“ der Deutschen Marine weitersegelt. Für die Rekonstruktion des Schulschiffes stehen 75 Millionen Euro zur Verfügung. Es ist vorstellbar, dass dem Segler beim Einlaufen zur 30. (?) Hanse Sail Rostock ein ähnlicher Empfang bereitet wird, wie beim 1. Mal 1991.

Ein ganz neuer maritimer Gast wird vielleicht auch zur 30. Sail erwartet: Die Kogge „Ucra“ mit Heimathafen Ueckermünde bereichert die Familie der mittelalterlichen Hanseschiffe. Auch das ist ein Langzeitvorhaben, das seit 15 Jahren durch Projektleiter Wolfgang Schubert begleitet und vorangetrieben wird.

Die Geschichten von den vier maritimen Glücksfällen sind im „Hanse Sail Magazin 2018“ nachzulesen, das im Januar auf der „boot“ Düsseldorf vorgestellt wird.

Ein anderes maritimes „Langzeitprojekt“, allerdings mit negativem Beigeschmack, betrifft die „Sicherheitsverordnung für die Traditionsschifffahrt“, die am 1. Januar 2018 in Kraft tritt. Das wird ein schwarzer Tag in der neueren Geschichte der deutschen Traditionsschifffahrt. Nicht nur, weil viele Schiffe stillgelegt werden müssen, sondern weil ein unschätzbares Maß an ehrenamtlicher Arbeit und Leidenschaft verloren geht. Für immer.

Klaus-Dieter Block

MITSEGELN
während der Hanse Sail 2015

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