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Sail-Kolumne

14.04.2008

Der Preis der Internationalität. Oder: Wie provinziell wird Rostock?

Es gibt in Mecklenburg-Vorpommern nicht allzu viele Veranstaltungen mit internationaler Anziehungskraft und Ausstrahlung. Die Hanse Sail Rostock gehört ohne Zweifel dazu.

Und das maritime Fest kann für sich in Anspruch nehmen, dass diese Internationalität mit einem Preis erzielt wird, der weit unter dem nationalen und internationalen Standard vergleichbarer Veranstaltungen liegt. Aber Geld ist natürlich notwendig, um z.B. die Schlepper- und Lotsenkosten für die großen Windjammer zu bezahlen. Geld, um die „Hanse-Sail-Flotte“ einzukaufen, wie es bei anderen Windjammertreffen durchaus üblich ist, ist nicht da. Insofern sind Ausdauer und Ideenreichtum in Rostock um so mehr gefragt.

Zur 18. Hanse Sail vom 7. bis 10. August 2008 kommen erstmals zwei imposante Großsegler nach Rostock, die wesentlich zur Attraktivität des Festes beitragen: Der niederländische Dreimast-Clipper STAD AMSTERDAM (Baujahr 2000) und das rumänische Segelschulschiff MIRCEA (Baujahr 1938), ein Schwesternschiff der in Stralsund liegenden GORCH FOCK I. Um beide Schiffe hat das Hanse-Sail-Büro lange geworben. Um die STAD AMSTERDAM beispielsweise bereits kurz nach ihrer Jungfernfahrt im französischen Brest erstmals im Jahre 2000.

Zum Preis der Internationalität gehört also ein langer Atem. Aber auch die kurzen Wege können durchaus zum „Blick über den Tellerrand“ beitragen. Zum Beispiel der Weg nach Waren an der Müritz, das ein Zehntel der Einwohner von Rostock hat. Am 23. Mai 2008 gibt es hier ab 14.30 Uhr im Rahmen der Müritz-Sail die 5. Schiffstaufe eines Kuhnle-Bootes im Stadthafen. Die Taufe ist kein Staatsakt, aber eine traditionelle Aktion in der Provinz mit zunehmend internationaler Wirkung.

Vier Kormoran-Boote sind in den letzten Jahren im Beisein der Warener Prominenz sowie von Roland Methling und dem Hanse-Sail-Chef Holger Bellgardt getauft worden: die MÜRITZ-SAIL, HANSE SAIL, BALTIC SAIL und die STETTIN. In diesem Jahr wird ein Schiff auf den Namen RIGA getauft. Anwesend sein wird der Vizebürgermeister der lettischen Hauptstadt, Almers Ludvigs. Und die Lettin Krista Feldmane bringt auf der Violine ein Taufständchen. Neben diesen leisen Tönen begrüßt der Schützenverein „Concordia 1848 e.V.“ aus Rostock mit Salven die RIGA im Reigen der Kuhnle-Schiffe. Und unterstreicht damit lautstark, dass es in der Provinz nicht provinziell zugehen muss, wobei Provinzialismus ohnehin keine Kategorie der Geographie, sondern des Kopfes und des Denkens ist.

Diese gemeinsame Aktion der Müritz-Sail und der Hanse Sail hat für Rostock den schönen Nebeneffekt, dass Städtepartnerschaften, die oftmals nur neben dem Ortseingangsschild aufgelistet sind, auch durch solche Aktionen mit Leben ausgefüllt werden. So mit Stettin im Vorjahr und mit Riga, Rostocks Partnerstadt seit 1961, in diesem Jahr. Das passt insofern gut in das Szenarium des Jahres 2008, als Lettland das Partnerland der diesjährigen Hanse Sail ist. In diesem Rahmen werden lettische Händler und Künstler den „Internationalen Markt“ zur Sail bereichern.

In diesen internationalen Komplex passen schließlich Vorhaben im Baltic-Sail-Verbund, der seit zwölf Jahren durch das Hanse-Sail-Büro entscheidend getragen und befördert wird. Neben Karlskrona, Halmstad, Gdansk, Klaipeda und Lübeck wird der Verbund mit den geplanten „Days of the Sea Szczecin“ (Polen), der „Historical Ships Week Gävle“ (Schweden), den „Baltic Schooner Races Sassnitz“ und der „Sail Swinoujcie“ (Polen) deutlich wachsen.

Diese Beispiele für die Internationalität der Hanse Sail sind nicht in erster Linie eine Frage des Geldes, sind aber auch nicht zum Nulltarif zu haben. Wenn also wiederholt von Vertretern der Rostocker Bürgerschaft, wie zuletzt Anfang April vom Fraktionsvorsitzenden der SPD, gefordert wird, den städtischen Zuschuss für das Sail-Büro noch weiter zu kürzen, ist das natürlich eine Frage des Geldes und somit der Existenz, aber letztlich eine grundsätzliche Einstellung, die auf die Alternative hinausläuft: Internationalität oder Provinzialität.

Klaus-Dieter Block

Bildunterschrift:
Der niederländische Dreimast-Clipper STAD AMSTERDAM kommt 2008 erstmals zur Hanse Sail Rostock