Sail-Kolumne
Von der Hanse zur Hanse Sail - Sechs neue Bücher aus drei maritimen Epochen
Bevor es richtig losgeht mit der Wassersportsaison, gibt es noch einmal einen kräftigen „maritimen Bücherschub“. Innerhalb weniger Wochen erscheinen in Zeiten des am Boden liegenden Schiffbaus und einer „drögen“ Schifffahrt gleich sechs Bücher zum Thema Schiffe und Hafen, die einen Bogen über drei maritime Epochen spannen.

Günter Krause hat im Klatschmohn Verlag ein Buch mit dem Titel „Handelsschifffahrt der Hanse“ herausgebracht. Sorgfältig recherchiert, mit entsprechenden exakten Literatur- und Quellennachweisen sowie einem fundierten Glossar spürt es auf wissenschaftlichem Niveau den Schiffen der legendären Hansezeit nach. Eine Fundgrube nicht nur für schiffshistorisch Interessierte.
Das Buch hat knapp 350 Seiten und beinhaltet zahlreiche Grafiken, Fotos und Karten (24,90 Euro).
Um eine vergleichsweise kurze Epoche, die keineswegs nur eine historische Episode ist, geht es in „DDR ahoi! Kleines Land auf großer Fahrt“ von Andreas Biskupek und Olaf Jacobs. Verlegt wird es nicht an der Küste, sondern im Mitteldeutschen Verlag Halle. Hier fließt zwar die schiffbare Saale, aber ein plausiblerer Grund für den Erscheinungsort ist die Tatsache, dass die meisten DSR-Seeleute aus dem Süden der DDR kamen. Die Erinnerung lebt hoch; der legendäre DSR-Verein sitzt im Erzgebirgsvorland in 450 Meter Höhe. Das Buch erscheint im Mai, hat ca. 176 Seiten und kostet 19,90 Euro.
Horst Prignitz und Ingbert Schreiber bedienen mit ihrem von der Hafenentwicklungsgesellschaft Rostock herausgegebenen Band „Der Hafen Rostock“ zwei Epochen maritimer deutscher Geschichte und Gegenwart. Anlass ist der 50. Jahrestag der Indienststellung des Übersee- bzw. Seehafens Rostock. Auch hier sollten die ersten dreißig Jahre das Zeug haben, in die Chronik der Weltgeschichte der maritimen- und speziell der Hafenwirtschaft einzugehen. Von Null auf Hundert. Kein Schiff, keine Werft, keinen Hafen nach der Teilung Deutschlands durch den zweiten Weltkrieg. Nach vierzig Jahren war hier eine der größten Handelsflotten der Welt zu Hause. Im Unterschied zur Mehrzahl der DDR-Betriebe existierte der Seehafen Rostock nach der Wende weiter und hat in den letzten zwanzig Jahren die Erfolgsgeschichte mit anderem Vorzeichen fortgeschrieben.
Ähnlich ist es mit dem Fischereihafen Marienehe, der auf 60 Jahre zurückblicken kann. Im Verlag Redieck & Schade erscheint aus diesem Anlass der Band „Fischgründe“.
Die maritime Nachwende-Epoche in Rostock und in Ostdeutschland ist durch kein Ereignis so geprägt worden wie durch die Hanse Sail. Rostock gehört heute nach Erhebungen im April 2010 neben Halle zu den ärmsten Städten Deutschlands. Dass Armut und Reichtum nicht nur am Einkommen ablesbar sind, zeigen zwei Bücher über das maritime Fest.
Der Hanse Sail Verein gibt im Eigenverlag anlässlich seines 16. Geburtstages Anfang Juni den Bild-Textband „Auf sicherem Kurs“ heraus, eine überarbeitete und erweiterte Neuauflage des 2005 erschienenen Bandes „Wo man sich begegnet“. Autoren sind Peter Rath und Günter Senf unter Mitwirkung vieler Pioniere der ersten Stunde und von Vereinsmitgliedern. Das Buch kostet 31,- Euro; während der 20. Hanse Sail 25,- Euro.
Schließlich eine Notiz in eigener Sache: Seit Mitte April ist der Titel „Logbuch Hanse Sail Rostock“ (144 Seiten, 16,90 Euro) von meiner jungen Kollegin Annika Schulze und dem Autor dieser Zeilen auf dem Markt. Erschienen ist es im traditionsreichen Rostocker Hinstorff Verlag und gibt Einblicke in das „Innenleben“, in die Seele der Sail, in das dichte Netzwerk und die vielen erstaunlichen Wirkungen, die eines der weltweit größten Windjammertreffen erzeugt. Ergänzt werden die Texte in acht Kapiteln durch Archivdokumente, Rück- und Ausblicke sowie durch Fotografien, vor allem von dem Leipziger Fotografen Lutz Zimmermann. Der Blick unter Deck, in den Maschinenraum, auf die Kommandobrücke und in die Kombüse ist durchaus kritisch und selbstkritisch.
Das impressionistische Logbuch ist auch ein Schönwetterbuch, aber darüber hinaus eine Einladung an Politik und Wirtschaft, über den „Kurswert“ der Hanse Sail für die Hansestadt Rostock, das Land Mecklenburg-Vorpommern und darüber hinaus zu streiten.
Klaus-Dieter Block
– MITSEGELN –
während der Hanse Sail 2012
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