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Sail-Kolumne

16.01.2006

Von Karnevalsmasken und Evakostümen

Mitten im Winter ist an dieser Stelle von zwei Februar-Ereignissen zu berichten, die auf den ersten Blick wenig mit der Hanse Sail zu tun haben. Es geht um ein Kontrastprogramm zwischen opulenter Kostümierung und ihrem absoluten Gegenteil. Eine diesbezügliche Schlagzeile könnte lauten: "Hanse Sail-Flagge in Venedig und Aktausstellung im Baltic Point."

Am 27. Februar, das ist hierzulande der Rosenmontag, wird in Venedig an die beiden Abenteurer Axel Brümmer und Peter Glöckner die Hanse Sail-Flagge übergeben, die sie auf der letzten Etappe ihrer 25.000 Seemeilen langen Tour von China nach Rostock via Venedig in die nordostdeutsche Hansestadt begleiten wird.

Die Ankunft der beiden Thüringer, ihrer Crew und der Dschunke KUBLAI’S KAHN II an dem Tag, wenn der berühmte "Carnevale" mit seinen faszinierenden Kostümen und Maskierungen seinen Höhepunkt erreicht, wird auch die attraktionsverwöhnten Venezianer faszinieren.

Vor exakt fünf Jahren haben sich im Februar 2001 Brümmer und Glöckner während des Karnevals in Venedig auf die mehr als 700 Jahre alten Spuren Marco Polos begeben. Der venezianische Kaufmann und Weltreisende Marco Polo (1254-1324) war mit seinem Vater und Onkel 1271 auf dem Landweg über den Pamir nach China aufgebrochen und reiste 1292-1295 auf dem Seeweg über den Vorderen Orient nach Venedig zurück.

Brümmer und Glöckner haben diese Reisewege auf dem Hinweg per Fahrrad und auf der Rückreise mit der Dschunke KUBLAI’S KAHN II nachempfunden und dabei zunächst den Totalverlust der KUBLAI’S KAHN I im Mai 2003 in einem Zyklon vor der Küste Sri Lankas erlebt. Mit dem Erlös einer außerordentlichen Spendenaktion im fernen Deutschland bauten einheimische Schiffbauer im indonesischen Sulawesi eine traditionelle Pinisis zur Dschunke um.

Dieser asiatische Schiffstyp wird seit fast 2000 Jahren unverändert gebaut. Die Dschunke ist 28 Meter lang, hat vier Masten, wobei der Hauptmast eine Höhe von 19 Metern hat. Die Segelfläche beträgt ca. 380 Quadratmeter.

Galeassen, Briggs, Vollschiffe und Dampfeisbrecher. Auch die Rostocker und ihre Gäste sind in den letzten anderthalb Jahrzehnten mit maritimen Attraktionen verwöhnt worden. Eine Dschunke war noch nicht dabei und ihre Ankunft fällt in eine Zeit, zu der die Schlagzeile passt : "China ist im Kommen!"


Aktpremiere im Baltic Point Warnemünde

Fotografie und Hanse Sail gehören zusammen. Nicht nur, dass das maritime Fest wohl die Veranstaltung in Mecklenburg-Vorpommern ist, auf der am meisten fotografiert wird, sondern seit sieben Jahren finden im Flur des Hanse Sail-Büros und auch im Baltic Point wechselnde Fotoausstellungen statt: Schiffe, Häfen, Menschen, Landschaft am und hinter dem Meer.

Aktfotografie war bisher noch nicht dabei. Das wird höchste Zeit, denn das unbekleidete Weib spielt in der christlichen Seefahrt schon eine Rolle, denkt man nur an Tätowierungen oder weibliche Galionsfiguren.

Also: Am 3. Februar um 18 Uhr gibt es eine Premiere mit der Ausstellung "Akt & Landschaft" von dem Fotografen Klaus Ender, der an diesem Abend eine Reihe seiner Bücher signiert. Der Titel der Ausstellung selbst ist Kennern nunmehr seit mehr als 30 Jahren bekannt, als in Potsdam mit "Akt & Landschaft" ein wesentlicher Beitrag dazu geleistet wurde, dass das Genre der Aktfotografie als fester Bestandteil der künstlerischen Fotografie akzeptiert wurde. Und tatsächlich war die Aktfotografie zu DDR-Zeiten auf hohem Niveau und unterschied sich wohltuend von damaligen und heutigen oberflächlichen Hochglanzprodukten.

Zum Niveau der Aktfotografie in der DDR hat Klaus Ender, der nach seiner Übersiedlung nach Österreich seit 1996 wieder auf Rügen lebt, wesentlich beigetragen. Erste Aktbilder im "Magazin" erschienen 1965; das die lange Tradition des künstlerischen Aktfotos heute leider nur bruchstückhaft fortsetzt. Sein erstes Buch "Mein Modell" erschien 1971 und wurde fast 100.000 Mal verkauft.

In diesen Tagen feierte der Altmeister der DDR-Aktfotografie Günter Rössler seinen 80. Geburtstag. Das veranlasste eine überregionale Zeitung zu der Schlagzeile: "Nackt sah die DDR besser aus als angezogen." Die Ausstellung von Klaus Ender bietet den Älteren die Gelegenheit, diese Aussage zu überprüfen. Und der eine oder andere Zeitgenosse wird vielleicht zu der aktuellen Schlussfolgerung kommen: Na, besser als umgekehrt ...

Informationen:
Die Fotoausstellung "Akt & Landschaft" ist vom 4. Februar bis 4. April 2006 im Baltic Point Warnemünde zu sehen. Sie ist von Montag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr und Samstag/Sonntag von 10 bis 15 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 1,50 EUR.

Klaus-Dieter Block