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Sail-Kolumne

20.03.2007

Es grüßt die Welt; es droht die Provinz!

Die gewohnten Sail-Nachrichten zuerst: Am Ostermontag (9. April) ist der Tagestörn der SEDOV ausverkauft. Für 40 Kadetten und Crew-Mitglieder des russischen Windjammers gibt es 40 Karten für das Heimspiel von Hansa Rostock am 5. April.

Umgekehrt stellt die SEDOV zwei mal zwei Törntickets am Ostermontag für die Sieger eines Gewinnspiels zur Verfügung.

Wer Ostermontag mitsegeln will, hat darüber hinaus eine zusätzliche Chance. Die SUNTHORICE läuft zu einem Tagestörn aus. Und es gibt eine weitere Gelegenheit für einen Frühjahrstörn: Am 1. Mai sticht die ALBERT JOHANNES in See.

Segelschiffe und ihre Crews kommen mittlerweile gern auch lange vor der Sail nach Rostock, bringen Grüße aus aller Welt mit und nehmen den Ruf Rostocks mit hinaus. Und noch eine schöne Neuigkeit: Das mexikanische Schulschiff CUAUHTEMOC kommt zur 17. Hanse Sail!

Und nun zu den bösen Nachrichten: Die Mehrheit der Rostocker Bürgerschaft hat dem Büro Hanse Sail 100.000 Euro in diesem Haushaltsjahr gestrichen. Nun hat wahrscheinlich jede kulturelle oder soziale Einrichtung in Rostock viele Gründe, über Streichungen und deren Folgen zu klagen. Warum soll es dem Sail-Büro anders gehen?

Aber vielleicht lassen sich gerade am Beispiel der Hanse Sail gemeinsame Fragen und Probleme aufzeigen, wie politisch mit der kulturellen Notstandssituation umgegangen wird. Wenn in den „Norddeutschen Neuesten Nachrichten“ vom 28. Februar 2007 die SPD von Budget-Zahlen des Sail-Büros ausgeht, die vorn und hinten nicht stimmen, irritiert das ebenso wie die Aussage eines Abgeordneten von „Die Linke. PDS“ , dass die Sail „dann eben kleiner ausfallen müsse“. Wissen die Bürgervertreter worüber sie abstimmen?

Und es kommen Zweifel auf, wie mit einer weiteren, für politische Entscheidungen unabdingliche Gedankenfolge umgegangen wird. Welche Domino-Effekte löst die Kürzung der Mittel aus? Ein Beispiel: Für die mexikanische CUAUHTEMOC sind Mittel für Schlepper, Lotsen und Betreuung nötig. Fehlen sie, segelt das Schiff an Rostock vorbei und nimmt die Grüße der Welt nach Lübeck oder Hamburg mit. Machen wir eine „kleinere Sail“? Das hieße sinkende Attraktivität für die Medien und Zuschauer und bedingt letztlich eine Abnahme des Interesses von Sponsoren. Und natürlich auch von Schiffen. Ein Abstieg von der Weltliga in die Regionalliga droht. Es grüßt die Provinz.

Eine weitere Frage: Können die streichenden Abgeordneten beantworten, nach welchen Kriterien sie streichen? Nach dem zu erwartenden geringsten Widerstand? Sind es parteipolitische Gründe oder kommt der Rasenmäher zum Einsatz? Haben sie wahrgenommen, dass Sparvorschläge ebenso wie Überlegungen auf dem Tisch liegen, wie die öffentliche Hand zunehmend entlastet werden kann? Oder wurden Erkundigungen über die wirtschaftlichen und sozialen Wirkungen der Hanse Sail eingeholt? Oder haben sie Vergleiche mit anderen großen maritimen Festen in Deutschland und in der Welt angestellt, die das vier- bis fünffache kosten, auch weil in Rostock fehlendes Geld durch ehrenamtliche Arbeit und ein weltweit einmaliges Bürger-Engagement vom Schüler bis zum Pensionär ausgeglichen wird?

Was tun? Der Schlüssel liegt in einer Alternative und in einer einfachen Frage. Geben all jene, die von der Hanse Sail profitieren, z.B. durch überdurchschnittlich hohe Zimmerpreise am 2. August-Wochenende, ein entsprechendes Äquivalent an die Sail zurück? Ehrliche Antworten und Taten sind eine Gewähr dafür, dass es keinen Absturz der Sail ins Provinzielle geben wird und finanzielle Zwänge, aber auch politische Fahrlässigkeiten kompensiert werden können.

Klaus-Dieter Block