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Sail-Kolumne

20.01.2011

Wo liegt eigentlich die Ostsee?

In anderen Gegenden der Welt, aber auch in Europa, werden in einer ersten Kommunikation meist die Fragen gestellt: „Wo kommst du her? Wo lebst du in Deutschland?“ Bei der Antwort „Aus Mecklenburg-Vorpommern“ ist der Blick meist immer noch fragend und so setzt man hinzu: „Zwischen Berlin und der Ostsee“. Ahh, kommt von der anderen Seite – Berlin … Aber die Ostsee? Die Baltic Sea, das Mer Baltique, das Mar Báltico?

Es gibt keinen Grund, sich über die geografischen Kenntnisse bzw. Nichtkenntnisse der Gesprächspartner zu wundern oder gar zu ärgern. Wir Ostsee-Liebhaber haben auch unsere Schwierigkeiten, auf Anhieb zu sagen, wo das Ligurische Meer oder die Tasmansee liegen.

Die Ostsee hat in der geografischen und in der touristischen Wahrnehmung aber tatsächlich einige Nachteile. Das kleine Binnenmeer mit 413.00 Quadratkilometern liegt am Rande. Wenig Marketing-Trost spendet die Tatsache, dass es das größte Brackwasser-Meer der Erde ist. Mit Brackwasser ist nicht so gut zu werben. Und sie hat im Unterschied zu südlichen Meeresgegenden einen schwerwiegenden Wettbewerbsnachteil: Sie ist zu kalt. Zum Beispiel zum Segeln.

Als vor 20 Jahren die Hanse Sail Ende Juli 1991 zum ersten Mal stattfand, war von vornherein klar, dass das maritime Fest internationale Dimensionen haben muss und als Grundlage wichtige Hafenstädte der Ostsee partnerschaftlich zusammenwirken sollten.

Der Baltic-Sail-Verbund, der 1997 durch Helsingör, Gdansk, Karlskrona und Rostock gegründet wurde, war die Basis dafür, dass Roland Methling zu diesem Zeitpunkt mit der Vision begeisterte: „Die Ostsee muss das Meer der Traditionssegler werden!“ Das war eine tolle, manche sprachen von einer tollkühnen, Vision. Heute ist diese Vision Wirklichkeit, aber keine Selbstverständlichkeit. Nach Rostock kommen auch zur diesjährigen Hanse Sail vom 11. bis 14. August über 200 Traditionssegler und Museumsschiffe, auch aus wärmeren Gegenden und von weit her, wie die 50-jährige Replik der legendären „Bounty“ aus den USA. Übrigens gibt es in Europa, Asien, Nord- und Südamerika oder in Ozeanien gegenwärtig noch rund 450 Großsegler.

In der Welt der Traditionssegler weiß man, wo die Ostsee liegt … und die Hansestadt Rostock. Das ist ein beachtlicher Marketing-Erfolg. Auch er ist keine Selbstverständlichkeit und muss jedes Jahr aufs Neue untermauert werden. Zum Beispiel mit frischen Ideen und Aktivitäten, um den Erhalt von Traditionsseglern zu unterstützen. Wie z.B. mit der 2. Schoner-Regatta von Rostock nach Gedser, die im Rahmen des 1. Journalistischen Saison-Auftaktes stattfindet, der von Mecklenburg-Vorpommern und Bayern vom 29. April bis 1. Mai 2011 organisiert wird. Oder durch die 3. Haikutter-Regatta von Nysted nach Warnemünde am Vortag der 21. Sail.

In der Welt der Sportsegler ist die Hansestadt mit ihrem Seebad Warnemünde durch die WARNEMÜNDER WOCHE ebenfalls bekannt. Und auch in der Welt der Kreuzfahrt-Passagiere und -Organisatoren, bei denen Rostock neben Stockholm, Kopenhagen oder St. Petersburg auf der Reiseliste steht – in diesem Jahr 159-mal. In der Welt des Flugwesens ist Rostock-Laage noch nicht ganz so bekannt, aber der Witz, der keiner ist – im neuen "Hanse Sail Magazin" ist er nachzulesen – und sich auf die aktuellen Flugverbindungen bezieht, klingt durchaus optimistisch: „Treffen sich ein Kölner, ein Stuttgarter, ein Münchner, ein Frankfurter und ein Zürcher in Rostock.“

Der „MARITIME HOCHSOMMER in Rostock & Warnemünde“ oder die Auftakt-Pressekonferenz der 20. Hanse Sail im letzten Jahr auf einem AIDA-Kreuzliner sind hervorragende Möglichkeiten, die bisher zu wenig genutzt werden, um die Ostsee und Rostock bekannter zu machen. Nicht unbedingt vordergründig bei den Küstenbewohnern des Ligurischen Meeres oder der Tasmansee. Aber man weiß ja nie …

Klaus-Dieter Block




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