Sail-Kolumne
Spätsommerliche Sailnotizen
Die 20. Hanse Sail Rostock war ein harmonisches Fest, mit vielen Höhepunkten, friedlich und ohne Zwischenfälle. Die Bilanz für die aktiv Beteiligten und für die Besucher der Sail ist gut. Nun heißt es: Vorwärts zur 21. Sail vom 11. bis 14. August 2011.

Na, nicht ganz so schnell. Der stille Spätsommer bietet Gelegenheit, auf den einen oder anderen kritischen Aspekt einzugehen, der nicht erst auf der jüngsten Sail immer wieder mal am Rande auftaucht.
Seit einigen Jahren versucht im Internet ein Nachrichtenanbieter in MV die Hanse Sail „klein“ zu reden: Das sind bei weitem keine Million Besucher, die Zahlen sind geschönt.
Basis dieser Behauptung sind Spekulationen und ein Berufen auf Angaben der Polizei, die es hierzu definitiv nicht gibt. Auch wenn den Sailorganisatoren Qualität vor Quantität bzw. Klasse vor Masse geht, sind letztlich auch Zahlen gefragt, die in der Regel auf Schätzungen beruhen. Grundlage dieser Schätzung ist eine Zählung und Hochrechnung, die im Rahmen einer Diplomarbeit zur 10. Hanse Sail durch ein Ingenieurbüro durchgeführt wurden. Die ermittelte Zahl betrug 1.150.000 Besucher. Solch eine Zählung ist personell, zeitlich und finanziell äußerst aufwändig und kann nicht jährlich vom Sailbüro geleistet werden. Sie steht aber ohne Zweifel neben vielen weiteren Erhebungen auf der Tagesordnung.
Ist der Markt das „Stiefkind“ der Hanse Sail? Muss der überhaupt sein oder muss er so sein wie er ist? Nun könnte man die Diskussion schnell mit dem Argument beenden: Der Markt ist eine unerlässliche Quelle, um über Standgebühren und die Präsens von Sponsoren die Hanse Sail zu finanzieren. Die Kritiker des Marktes tun mitunter so, als ob das Team des Rostocker Großmarkts um Jörg Vogt und das Büro Hanse Sail nur in einen großen Topf greifen müssen, um den Markt zu gestalten. Anspruchsvoller, maritimer.
So wie in diesem Jahr zum Beispiel mit einer Bootsbauerwerkstatt am Museumshafen oder mit dem Erlebniszentrum „Leben in der Hanse“ auf der Silohalbinsel. Oder wie seit langen Jahren mit dem „Internationalen Markt“. Im Unterschied zu den kommerziellen Betreibern kosten diese in der Regel Geld und eine langwierige Vorbereitung. Das ist kein Alibischild für die Marktorganisatoren, sondern sie haben ihre qualitativen Vorstellungen, die aber nicht mit einem Griff in die Wundertüte, sondern nur schrittweise zu realisieren sind.
Nun ist der Markt zur Hanse Sail kein notwendiges Übel, das man in Kauf nimmt, um das andere zu genießen. Eine Hanse Sail ist ohne Markt schwer vorstellbar. Und dieser Markt hat in den letzten Jahren Schritt für Schritt an Qualität gewonnen. Diese reicht inzwischen bis zu einem blitzsauberen Gelände am Morgen nach einem heißen Sailabend. Im Rostocker Stadthafen und in Warnemünde werden für vier Tage über 500 Fahr- und Schaustellergeschäfte, Getränke- und Imbissstände aufgebaut. Für die Mehrzahl der Gewerbetreibenden ist die Hanse Sail der finanzielle und emotionale Jahreshöhepunkt. Und natürlich auch für viele Besucher, die sich auch auf diese Seite des Volksfestes freuen.
Eine Kritik, die das Sailbüro immer wieder erreicht, sind die Hotelpreise in der Sail-Woche. Noch einmal ein Rückblick. 50 Euro musste durchschnittlich im Jahr 2000 ein Hotelgast für eine Übernachtung während der Sail ausgeben. Heute ist es das Zwei- bis Dreifache. In den Anfangsjahren der Sail gab es kostengünstige Kontingente für Medienpartner der Hanse Sail. Wenn ein Hörfunkjournalist für ein Einzelzimmer anstatt 49 Euro 149 Euro bezahlen und womöglich fünf Nächte buchen muss, graben wir uns auf Dauer das Wasser ab.
Ärgerlich ist dann die Aussage einiger Hoteliers, dass sie die Hanse Sail im Sommer eigentlich nicht brauchen. Das wollen wir lieber nicht ausprobieren. Die Hanse Sail lebt von Bündnissen. Für die Kooperation zwischen Sailbüro und Hotellerie gibt es viele gute Beispiele - vom Wiedereinstieg des Grandhotels Heiligendamm bis zu den traditionellen „Gastlichen Mecklenburgern“. Es können bis zur 21. Hanse Sail gern mehr werden.
Klaus-Dieter Block
Foto: Archiv Büro Hanse Sail
– MITSEGELN –
während der Hanse Sail 2012
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