Sail-Kolumne
Die Unvollendete. Oder: Vom Reiz des zweiten Versuches
Kann man Leute hinter dem Ofen mit einem Vortrag vorlocken, der vom Scheitern handelt? Man kann. Der Bericht über eine unvollendete Expedition mit einem nicht erreichten Ziel, ob die Besteigung eines Achttausenders oder die Überquerung des Atlantiks in einem Schilfboot sind spannend.

Woran lag es? Oder: Gibt es einen neuen Versuch? Diese und andere Fragen hat Dominique Görlitz, der Expeditionsleiter der ABORA III-Expedition in den letzten Monaten auf vielen Foren und Vorträgen beantwortet.
Görlitz ist nun zu Gast beim 177. Hafenstammtisch am 18. März 2008 ab 19 Uhr im Baltic Point. Den Rostockern sind Dominique Görlitz und seine ABORA-Projekte nicht unbekannt. Zum Beispiel durch die spektakulären Aktionen mit der ABORA II, die u.a. während der Hanse Sail 2003 und 2006 auf einem Tieflader in den Stadthafen gebracht und mit einem Kran abgeladen wurde. Viele Sail-Besucher staunten: Und die soll schwimmen?
Das gleiche Kranbild gab es im letzten Sommer in New York, als die in Südamerika am Titicaca-See gebaute ABORA III in Manhattan auf den Ausrüstungskai gehoben wurde. Dabei hat das Wasserfahrzeug mit zwölf Metern Länge und knapp viereinhalb Metern Breite einen Knacks abbekommen, der, so ein Mitstreiter Görlitz’, „später auf dem Atlantik erhebliche Probleme verursachte“. Das nächste Mal sind wir schlauer, so Görlitz, und bauen die ABORA IV gemeinsam mit den Bootsbauern vom Titicaca-See direkt in New York.
Ein Grund dafür ist auch die Zeit, denn das Schilf darf nicht zu alt werden, um schwimmfähig zu bleiben. Zu allem Unglück war zwar nicht der Wurm im Boot, aber ein Käfer südamerikanischen Ursprungs, der die US-Behörden beunruhigte und den Start verzögerte. Die anderen Umstände haben sich inzwischen herumgesprochen: Start der ABORA III in New York im Juli 2007. Stürme, Reparaturen auf dem Atlantik, drohende neue Stürme.
Am 5. September 2007 war Schluss: Nach 56 Tagen und 2.410 Seemeilen musste die Atlantik-Überquerung abgebrochen werden. Begleitet wurde die Aktion nicht nur von Daumendrücken und guten Wünschen, sondern auch von Vorwürfen, wie „zu abenteuerlich“ oder „verantwortungslos“. „Die Sicherheit“, entgegnet Görlitz selbstbewusst, „stand zu jeder Zeit an erster Stelle.“ Die Besatzung war beispielsweise mit zwei Satelliten-Telefonen, zwei Funkgeräten und einem neuen Notrettungssystem, das auf der ABORA getestet wurde, ausreichend vor möglichen Gefahren gesichert.
Görlitz ist sportlich genug, um einzuschätzen: „Das geografische Ziel der Expedition haben wir nicht erreicht. Aber“, und das sagt er mit Stolz, „das experimental-wissenschaftliche Ziel durchaus. Wir haben gezeigt, dass es möglich ist, mit einem steinzeitlichen Schilfboot über den Atlantik von West nach Ost zu segeln, und das gegen den Wind“. Transatlantischer Kulturaustausch war also schon vor 14.000 Jahren möglich.
ABORA IV? Na klar, sagt Görlitz ohne Zögern. Was denn sonst? 2010 soll es soweit sein, um den Versuch auf der Basis der gemachten Erfahrungen zu wiederholen. Viel Glück, Dominique Görlitz!
Klaus-Dieter Block
Information
Kartenvorverkauf für den 177. Rostocker Hafenstammtisch im Hanse-Sail-Büro (Telefon 0381 - 208 52 33) und in den Tourist-Informationen Rostock und Warnemünde. Preis: 7,00 Euro (Abendkasse 8,00 Euro)

